{"id":3028,"date":"2017-08-14T18:42:04","date_gmt":"2017-08-14T18:42:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kulturforum-mwest.de\/K\/?p=3028"},"modified":"2017-08-14T18:45:25","modified_gmt":"2017-08-14T18:45:25","slug":"170915-reihl-01","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/170915-reihl-01\/","title":{"rendered":"Interview mit Johannes Reihl"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.kulturforum-mwest.de\/K\/170915-tunnel\/\">zur\u00fcck zur Seite T\u00f6ne im Tunnel 2017<\/a><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Interview von F. Schneider, Burda-Verlag, mit Johannes Reihl<\/p>\n<p><em>Wie kamen Sie dazu, Bilder zu projizieren? <\/em><\/p>\n<p>Es war Mitte der 80er Jahre, als ich mich noch haupts\u00e4chlich der Malerei widmete. Ein Faible f\u00fcr Fotografie hatte ich, seit ich denken kann, und w\u00e4hrend einer Schaffenskrise, als in der Malerei alles stockte und mich auch die Fotografie langweilte, begann ich in einem Anfall von eingebildetem Reinigungsprozess, bereits vollendete Bilder zu \u00fcbermalen und etliche meiner Diapositive zu zerst\u00f6ren. Die Filme habe ich mit scharfen Messern und Scheren zerkratzt und mit viel Lasurfarben bekleckert. Aus irgendeinem Grund flogen sie dann aber nicht gleich in den M\u00fclleimer, sondern in meinen damaligen Kleinbildprojektor. Ich glaube, dass mich eine uralte Neugier davor bewahrt hat, sie loszuwerden.<\/p>\n<p>Nachdem ich die zerkratzten Dias auf eine gro\u00dfe Wand projiziert hatte, wusste ich, warum: die Bilder hatten ein v\u00f6llig neues Eigenleben bekommen. Im Gro\u00dfformat war nichts mehr von der Destruktion zu sehen, mit der ich die Dias im Kleinformat maltr\u00e4tiert hatte.<\/p>\n<p>Bereits zu Studienzeiten hatte ich mich mit dem Ph\u00e4nomen Klein-\/Gro\u00dfformat intensiv auseinandergesetzt, und auch derzeit wieder produziere ich digitale Grafiken\/Wandbilder in Formaten von 2 x 3 m, die aus winzigen Ausschnitten meiner Originalgem\u00e4lde stammen. Da die neuen Bilder wegen der Kratztechnik eher grafischen Charakter aufwiesen, habe ich den Projektor probehalber weg von der Leinwand in die Natur (B\u00e4ume, Str\u00e4ucher, Wiesen, Hausfassaden etc.) gerichtet \u2013 und siehe da: die Bilder wurden nicht nur gr\u00f6\u00dfer, sie wurden auch dreidimensional. Dar\u00fcber hinaus konnten sie ein ganz normales Geb\u00e4ude vollkommen verfremden und architektonisch entstellen. Da beschloss ich, die Leinwand zu verlassen und direkt in die Landschaft zu projizieren. Eine der magischsten Bildwirkungen erzeugen dabei Projektionen auf Wasserw\u00e4nde: hier werden Lichtbilder auf hochschie\u00dfendes Wasser projiziert, und da man nachts das Wasser kaum sieht, scheinen die Bilder in der Luft zu schweben &#8230;<\/p>\n<p><em>Welche Rolle spielt Licht?<\/em><\/p>\n<p>Licht ist f\u00fcr mich ein Transportmittel; es transportiert meine Bilder.<\/p>\n<p><em>Wie haben sie ihre Technik ausgefeilt?<\/em><\/p>\n<p>Zuerst bin ich mit der T\u00e4nzerin Helga Seewann und ein paar Kleinbildprojektoren durch Deutschland, Italien und Frankreich getingelt: Performances mit Tanz und Lichtbilder als Kulissen. Dies stie\u00df auf zunehmendes Interesse, irgendwann wurden Veranstalter darauf aufmerksam, und was die Projektionen f\u00fcr Festivals und Theaterveranstaltungen betraf, reichte die Leistung der Kleinbildprojektoren bald nicht mehr aus, also habe ich mit einem Produzenten nach und nach leistungsstarke Projektoren besorgt, mit denen man schon mal einen Kirchturm, einen Park oder eine Felsenlandschaft in begehbare Kunst verwandeln kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3023\" aria-describedby=\"caption-attachment-3023\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3023 size-full\" src=\"https:\/\/www.kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/170915-Reihl-HERRSCHING_2003.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"469\" srcset=\"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/170915-Reihl-HERRSCHING_2003.jpg 700w, https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/170915-Reihl-HERRSCHING_2003-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3023\" class=\"wp-caption-text\">Johannes Reihl, Projektion in Herrsching, 2003<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es f\u00fcr echte Riesenformate auch Grossbildprojektoren (6000 \/ 12000 W, mit Diaformaten bis zu 24 x 24 cm) zu mieten, die zwar teuer, aber dementsprechend intensiv sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3024\" aria-describedby=\"caption-attachment-3024\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3024 size-full\" src=\"https:\/\/www.kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/170915-reihl-RESIDENZ_2004.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"358\" srcset=\"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/170915-reihl-RESIDENZ_2004.jpg 700w, https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/170915-reihl-RESIDENZ_2004-300x153.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3024\" class=\"wp-caption-text\">Johannes Reihl: Projektion auf die Residenz M\u00fcnchen, Residenzwoche 2004<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Wie hat sich ihr Schaffen ver\u00e4ndert?<\/em><\/p>\n<p>Mit dem Computer. Waren anfangs alle Bilder hand\u00fcbermalte Fotofragmente mit meist expressivem, farbintensivem Charakter, bot ab den 90er Jahren die Berechnung der Bilder mit dem Computer samt Bildbearbeitung bessere M\u00f6glichkeiten, die Lichtbilder exakt dahin zu projizieren, wo man die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Wirkung erzielen konnte. Somit hat sich das Spektrum der Ausdrucksm\u00f6glichkeiten erweitert: eine normale Hausfassade kann unter Ber\u00fccksichtigung der architektonischen Gegebenheiten in ein Schloss, aber auch in eine KZ-Baracke verwandelt werden, die M\u00f6glichkeiten sind unbegrenzt. So eignet sich dieses Medium nat\u00fcrlich auch als dramaturgisches Mittel, was einige Theaterregisseure bereits f\u00fcr sich entdeckt haben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3025\" aria-describedby=\"caption-attachment-3025\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3025 size-full\" src=\"https:\/\/www.kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/170915-reihl-TAORMINA_2004.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/170915-reihl-TAORMINA_2004.jpg 700w, https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/170915-reihl-TAORMINA_2004-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3025\" class=\"wp-caption-text\">Johannes Reihl, Projektion auf eine Kirche in Taormina, 2004<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Gibt es Ver\u00e4nderungen?<\/em><\/p>\n<p>Weniger Farbe \u2013 mehr Struktur. Die allm\u00e4hliche Entdeckung, dass durch die Projektion von wei\u00dfen Figuren, Linien, Kreisen, Texten oder ein paar Wellen in der Natur h\u00f6chst intensive Eindr\u00fccke entstehen k\u00f6nnen, intensiviert meinen Schaffensdrang. Ein einfacher Kreis, der auf eine Leinwand projiziert langweilig w\u00e4re, wirkt in der nat\u00fcrlichen Unregelm\u00e4\u00dfigkeit einer Park- oder Stadtlandschaft h\u00f6chst lebendig, fragil und erstaunlich. Drei wunderbare Eigenschaften &#8230; Wohin dies alles noch f\u00fchrt, wei\u00df ich nicht, gleichgeblieben ist jedenfalls nichts. Gl\u00fccklicherweise.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3029\" src=\"https:\/\/www.kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/170915-reihl-KUNSTLERHAUS_2000.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/170915-reihl-KUNSTLERHAUS_2000.jpg 700w, https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/170915-reihl-KUNSTLERHAUS_2000-300x203.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p><em>Wie gro\u00df sind die Fl\u00e4chen?<\/em><\/p>\n<p>Je nach Sinn bzw. Einsatz des technischen Equipments; indoor, openair etc. Auf B\u00fchnen oder bei Performances von 1 qm aufw\u00e4rts, in Stadtparks mit 8 Projektoren ein Areal von 1500 qm, auf ein Berliner Hochhaus z. B. eine Projektionsfl\u00e4che von 2500 qm mit 1 Grossbildprojektor.<\/p>\n<p><em>Ihr Lieblingsprojekt?<\/em><\/p>\n<p>Jedes Projekt, bei dem mir zu beginn ein wei\u00dfes Blatt Papier in die Hand gedr\u00fcckt wird mit den Worten: machen Sie mal &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kurzbiografie<\/h3>\n<p>1954 geboren in Bad Reichenhall<br \/>\n1976 8 Semester Malerei und Grafikdesign an der Blochererschule, M\u00fcnchen<br \/>\n1980 &#8211; 1990 diverse Ausstellungen<br \/>\n1985 erste Experimente mit Lichtkunst<br \/>\n1989 erste gr\u00f6ssere Lichtinstallationen<br \/>\ndanach viele Lichtkunstprojekte in diversen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>zur\u00fcck zur Seite T\u00f6ne im Tunnel 2017 Interview von F. Schneider, Burda-Verlag, mit Johannes Reihl Wie kamen Sie dazu, Bilder zu projizieren? Es war Mitte der 80er Jahre, als ich mich noch haupts\u00e4chlich der Malerei widmete. Ein Faible f\u00fcr Fotografie hatte ich, seit ich denken kann, und w\u00e4hrend einer Schaffenskrise, als in der Malerei alles &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/170915-reihl-01\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Interview mit Johannes Reihl<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[34],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3028"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3028"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3028\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3032,"href":"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3028\/revisions\/3032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3028"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3028"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3028"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}