{"id":577,"date":"2015-03-19T17:10:40","date_gmt":"2015-03-19T17:10:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kulturforum-mwest.de\/K\/?p=577"},"modified":"2015-03-26T11:06:44","modified_gmt":"2015-03-26T11:06:44","slug":"150319-uss-text","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/150319-uss-text\/","title":{"rendered":"Zu den Bildern von U. Steglich-Schaupp"},"content":{"rendered":"<p>Die K\u00fcnstlerin Ursula Steglich-Schaupp hat in einem Prozess des \u00dcbermalens ihre Vergangenheit \u00fcberschrieben \u2013 erinnerte Eindr\u00fccke, Gef\u00fchle, Formen auf gro\u00dfformatigen Leinw\u00e4nden in einen neuen Zusammenhang gebracht. F\u00fcr die Reihe der \u00dcbermalungen hat sie auf teils fertige, teils angefangene Bilder neue Schichten mit Acryl, Tempera, Bitumen, Schellack, Farbpigmenten und Spr\u00fchlack aufgetragen und die Bilder so dem Archivieren, dem Konservieren entrissen. Erst in der Reihung wird erahnbar, wo der Hintergrund durchscheint, wo die Vergangenheit selbst zum Gegenstand der Auseinandersetzung wird.<\/p>\n<p>In kraftvollen Farben tauchen gro\u00dfe, enigmatische Figuren aus dem Raum auf, ohne wirklich verortet zu sein, werden \u201ebis auf die Knochen\u201c seziert und entziehen sich doch der Eindeutigkeit. Weibliches und M\u00e4nnliches verwischt, Gesten, Haltungen scheinen auf, verweigern sich aber eindimensionaler Zuordnung, der freigelegte Brustkorb erlaubt maximale Ann\u00e4herung und gleichzeitig vergr\u00f6\u00dfert sich die Distanz durch die Neutralit\u00e4t des Humanen als Struktur.<\/p>\n<p>Die menschliche Figur &#8211; die Verortung des Menschen in seiner Welt, seinen Erfahrungen, seinen Rollen und seinen Zw\u00e4ngen &#8211; bildet ein zentrales Motiv der \u201efig\u00fcrlichen\u201c Darstellung der Malerin. Sie versteht sich als weibliche K\u00fcnstlerin &#8211; weibliche Figuren und Themen nehmen in ihren Arbeiten einen gro\u00dfen Raum ein \u2013 und die Reflexion ihrer Rolle ist integraler Bestandteil des k\u00fcnstlerischen Prozesses \u2013 man k\u00f6nnte sie als ihre basale Motivation bezeichnen.<\/p>\n<p>Gemalt hat sie \u201eschon immer\u201c \u2013 auch wenn der Weg zur freischaffenden K\u00fcnstlerin nicht sehr gradlinig verl\u00e4uft. Nach der Akademie ist Kunst und die Vermittlung von Kunst erst einmal ihr Beruf \u2013 dann n\u00e4hert sie sich wieder ihren eigenen Themen, mit den unterschiedlichsten Materialien und Techniken \u2013 sie plastiziert, arbeitet viel mit Ton, schwei\u00dft, konstruiert, collagiert, druckt, malt, zeichnet und l\u00e4sst sich von der haptischen Qualit\u00e4t der Materialien verf\u00fchren. Die Bearbeitung von Material und die Auseinandersetzung mit dem Material sind Triebfeder und Ziel ihres Tuns.<\/p>\n<p>Farbe und Stift bleiben neben dem Ton eine Konstante in ihrer k\u00fcnstlerischen Entwicklung \u2013 aber auch da probiert sie die verwegensten Techniken, Farbtr\u00e4ger und Malgr\u00fcnde, scheut sich nicht, die Schrift als widerspenstiges Element zu integrieren und sie bleibt (mit Lust) an der Auslotung dieser Welt, den Beziehungen, den Gegenst\u00e4nden &#8211; auch am Gegenst\u00e4ndlichen. In den lose verbundenen thematischen Reihen (z.B. \u201eHaribo\u201c, \u201eBoote\u201c, \u201eOrte\u201c, \u201eSpr\u00fcchebilder\u201c), auch in den unerm\u00fcdlichen Befragungen und dem Ver\u00e4ndern schon \u201evollendeter\u201c Arbeiten wird die Intensit\u00e4t ihrer k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung, das Existentielle ihrer Suche sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>In den Arbeiten der Ausstellung zeigt sich USS wieder ganz als Malerin, deren Motivation, dem Eigenen durch ihren spezifischen Umgang mit Farbe und Material eine eigenwillige Form zu geben, in der Textur dieser gro\u00dfr\u00e4umigen Fl\u00e4chen als kraftvolle Farb-Bewegung sichtbar wird. Einerseits variieren die gezeigten Arbeiten (frei) das Ausloten der Vergangenheit als pers\u00f6nliche Auseinandersetzung und gleichzeitig wird &#8211; einer Serie \u00e4hnlich &#8211; der Prozess des \u00dcber-Malens zum inh\u00e4renten Sujet dieser Reihe.<\/p>\n<p>Auch die Zeichnungen aus der Reihe \u201eKokons\u201c zeigen ihre Arbeitsweise: einerseits entwickelte sich die Form als (weibliches?) Thema erst aus der Reduktion auf Graphit und Kohle, auf Schwarz und Wei\u00df &#8211; und andererseits generierte sie daraus thematisch weitere Arbeiten \u2013 eine verdichtete Spurensuche.<\/p>\n<p>Indem die K\u00fcnstlerin den Prozess des Arbeitens, des Ausprobierens, des Suchens, der Auseinandersetzung mit dem Material zum substantiellen Thema macht, sprengt sie die Grenzen des rein Thematischen und \u00f6ffnet den Blick f\u00fcr den k\u00fcnstlerischen Prozess.<\/p>\n<p>Doris Volkmer<\/p>\n<p><a title=\"zur Titelseite der Ausstellung U. Steglich-Schaupp\" href=\"https:\/\/www.kulturforum-mwest.de\/K\/150319-rathaus-uss\/\">zur Seite Rathaus-Ausstellung von U. Steglich-Schaupp<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die K\u00fcnstlerin Ursula Steglich-Schaupp hat in einem Prozess des \u00dcbermalens ihre Vergangenheit \u00fcberschrieben \u2013 erinnerte Eindr\u00fccke, Gef\u00fchle, Formen auf gro\u00dfformatigen Leinw\u00e4nden in einen neuen Zusammenhang gebracht. F\u00fcr die Reihe der \u00dcbermalungen hat sie auf teils fertige, teils angefangene Bilder neue Schichten mit Acryl, Tempera, Bitumen, Schellack, Farbpigmenten und Spr\u00fchlack aufgetragen und die Bilder so dem &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturforum-mwest.de\/1.0\/K\/150319-uss-text\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zu den Bildern von U. 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