Am 24. Oktober um 17 Uhr lädt das Kulturforum München-West wieder zur traditionellen KulturSoiree in den Räumen unseres Kooperationspartners, der Stadtbibliothek Pasing, ein. Heuer steht Ungarn im Mittelpunkt, denn nach Imre Kertez (2002) hat mit Laszlo Krasznahorkai letztes Jahr erneut ein ungarischer Autor den Literaturnobelpreis erhalten. Seine oft düsteren Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt, er bekam zahlreiche Preise und internationale Ehrungen. Typisch für Krasznahorkais Prosa sind lange, oft absatzlose Satzströme in einer Sprache von sinnlicher Intensität, wie Kritiker formulieren. Einige Textbeispiele werden von dem Schauspieler Silvester von Hösslin vorgetragen. Davor bekommen Sie von Matthias Bonigut authentische Hintergrundinformationen über „Land und Leute“. Elisabeth Macan erzählt von der Feier zum 250. Geburtstag Goethes am 28. 8. 1999 in Budapest vor dem Goethe Institut, bei der Krasznahorkai eine Torte verteilte.
Sie hat als Ungarndeutsche lange in Ungarn gelebt und den Autor mehrmals getroffen. Ebenso haben Evi und Dr. Dieter Ortmann für das Goethe-Institut in Budapest gearbeitet, sie können gerne zu ihren Eindrücken befragt werden.
Bei einem kleinen landestypischen Imbiss ist Gelegenheit zum Austausch und Diskussion.
Die Veranstaltung in der Bäckerstraße 9 geht von 17 – 19 Uhr und kostet 12 Euro für Mitglieder bzw. 15 Euro für Nichtmitglieder. Gäste sind herzlich willkommen. Anmeldungen sind bis spätestens zum 20. Oktober erforderlich: einladungen@kulturforum-mwest.de.
In der ungarischen Literaturgeschichte gilt die Zeit zwischen 1825 und 1848 – die sog. Reformzeit vor 200 Jahren – als eine Glanzzeit der ungarischen Literatur. Wir machen aber einen Sprung: Zu den wichtigsten Autoren, die nach 1945 zu schreiben begannen, gehören Imre Kertez (1929–2016), György Konrad (1933–2019), Péter Nadas (* 1942), Péter Esterházy (1950–2016) und László Krasznahorkai (* 1954). Zwei davon sind Literatur-Nobel-preisträger.
Imre Kertész, Überlebender des KZ Auschwitz-Birkenau, verarbeitete diese Erfahrung in seinem „Roman eines Schicksallosen“, an dem er von 1960 bis 1973 (auf deutsch erschienen 1975) arbeitete. Er erhielt 2002 den Nobelpreis für Literatur für, so die Laudatio, „ein schriftstellerisches Werk, das die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Willkür der Geschichte behauptet“. Wie viele andere Schriftsteller dieser Zeit hat Kertész enge Kontakte zur deutschsprachigen Kultur und ist selbst Übersetzer aus dem Deutschen ins Ungarische.
László Krasznahorkai entstammt einer ungarischen jüdischen Familie. Er ist einer der innovativsten Schriftsteller Europas, seine Werke werden begeistert aufgenommen und wurden mittlerweile in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Seine internationale Beachtung begann 1993 in Deutschland, zu dem er enge Beziehungen hatte und die sich sowohl in seiner Biografie als auch in seinem literarischen Werk widerspiegelt. Er spricht fließend Deutsch, besaß zeitweise einen deutschen Pass, lebte im Rahmen seiner Wanderjahre lange Zeit in Berlin (als DAAD-Stipendiat). Krasznahorkai bekam viele wichtige Preise und Auszeichnungen und erhielt 2025 für seine visionären und kraftvollen Romane den Nobelpreis für Literatur. Die Auszeichnung erhielt er laut Jury-Begründung „für sein dringliches und visionäres Werk, das inmitten apokalyptischer Schrecken die Macht der Kunst bekräftigt“.
Typisch für Krasznahorkais Prosa sind lange, oft absatzlose Satzströme – eine Sprache von sinnlicher Intensität und zugleich düsterem Inhalt. Die inneren Monologe und Bewusstseinsströme der Protagonisten sind bei Krasznahorkai Komposition, Rhythmus und Klang.
Seine berühmten Hauptromane bestehen oft aus extrem langen, atemlosen Bandwurmsätzen, was das laute Vorlesen sehr anspruchsvoll macht, um den rhythmischen Sog der Endlos-Sätze auf das Publikum wirken zu lassen . Seine oft seitenlangen Bandwurmsätze fordern dem Vorlesenden extreme Konzentration und Atemtechnik ab. Krasznahorkai baut oft eine hypnotische, fast rhythmische Sogwirkung auf. Er schreibt in langen, dichten Absätzen ohne jegliche Pause. Das erfordert viel Ausdauer – auch beim Lesen und Zuhören.
Sein erster Roman „Satanstango“ (1985) gilt als Abgesang auf das Ungarn der späten kommunistischen Jahre, „Melancholie des Widerstands“ als schonungslose Anatomie der Trostlosigkeit. Er wurde auch verfilmt.
„Herrscht“ (2021) hat 400 Seiten und besteht aus ganzen 17 Sätzen ohne Kapitel oder gar Absätze. Die Geschichte seziert die deutsche Gesellschaft und thematisiert das Erstarken von Neonazi-Gruppen in Thüringen – verknüpft mit der Musik von Johann Sebastian Bach, eine Homage an Bach. In seinem neuesten Buch, das kürzlich auf deutsch erschienen ist, „Szömle ist weg“ thematisierte er sogar die deutsche Reichsbürgerszene.


